Pieschen für Alle

Zusammenleben im Stadtteil

Die Menschen in Kobane und wir:
Bericht vom zweiten Runden Tisch „Pieschen für alle“, Teil 2

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Nach dem Rückzug der IS-Milizen sind große Teile der Stadt Kobane an der türkisch-syrischen Grenze völlig zerstört. Foto der BBC vom 2. Februar 2015.

Nach dem Rückzug der IS-Milizen sind große Teile der Stadt Kobane an der türkisch-syrischen Grenze völlig zerstört. Foto der BBC vom 2. Februar 2015.

Kobane – da war doch was… Der Name tauchte in deutschen Fernsehnachrichten erstmals im September 2014 auf. Damals griffen Milizen des Islamischen Staates die Stadt an, die ganz im Norden Syriens liegt – nur zweihundert Meter von der türkischen Grenze entfernt.
Die Stadt zählt eigentlich rund 30.000 Einwohner überwiegend kurdischer Abstammung. Im Bürgerkrieg war die Zahl der Bewohner auf 100.000 angeschwollen. Die meisten davon flohen beim Angriff der IS-Milizen auf die türkische Seite – ohne Hab und Gut, ohne Dach über dem Kopf, ohne Verpflegung. Dort campieren sie nun in eilig errichteten Zeltstädten oder bei Bekannten in der Stadt Sürüc.
Die kurdischen Milizen gaben aber Kobane nicht auf. Unterstützt von Luftschlägen des US-Militärs und von zahllosen Freiwilligen leisteten sie den IS-Milizen zähen Widerstand, und nach gut drei Monaten eroberten sie die Stadt zurück. Es war ein historischer Sieg. Zum ersten Mal wurden die IS-Milizen geschlagen. Zum ersten Mal kämpften die kurdischen Milizen aus Syrien (genauer: der autonomen Region Rojava) und aus dem Irak (die hierzulande bekannteren Peshmerga) zusammen gegen einen gemeinsamen Feind.
Nur: Den Menschen aus Kobane hilft das nicht viel. Denn die Stadt ist weitgehend zerstört worden.
Man kann dort nicht mehr leben.
Oder doch?
Der Dresdner Verein für deutsch-kurdische Begegnungen setzt sich dafür ein, den Menschen in Kobane zu helfen. Beim zweiten Runden Tisch „Pieschen für alle“ am 4. März berichtete der Vorsitzende Herr Cetin von der Lage vor Ort. Spontan wurden rund 140 Euro gesammelt, die er mitnehmen konnte, als er zwei Wochen später in das türkisch-syrische Grenzgebiet reiste. Sein Ziel: vor Ort Kontakte zu knüpfen, Informationen zu sammeln und für zumindest einige der mittellosen Flüchtlinge, die jetzt in Zelten rund um Kobane hausen, das Nötigste einzukaufen.

Wir haben am 4. März in Murmelrunden beraten, was wir für die Menschen in Kobane tun können. Damit sie in ihrer Heimat bleiben können. Damit ein Zeichen gegen den Islamischen Staat gesetzt wird. Damit es auch einmal Nachrichten der Hoffnung aus einer Region gibt, die hierzulande sonst nur als Schauplatz von Terror, Rechtsbruch, Krieg, Besatzung, entwurzelten Menschen, Radikalismus und zerbrochenen Gesellschaften zur Sprache kommt.

Über weitere Schritte wollen wir nach der Rückkehr von Herrn Cetin beraten. Auch zu der Dresdner Hilfsorganisation Arche noVa haben wir Kontakt aufgenommen. Für weitere Informationen: info@pieschen-fuer-alle.de.

Zum Weiterlesen und Weiterdenken:

Kobane: Wo? Was? (kurze Präsentation als Einführung in das Thema am 4. März 2015; pdf, 1,5 MB)

Reportage der BBC: Rojava – Syria’s secret revolution (youtube, November 2014, 23 min.)

Bericht im auslandsjournal vom 20. Februar 2015 über die Lage im völlig zerstörten Kobane (3sat Mediathek, ab Minute 10:00)

Eine Schule für Kobane! – Netzseite einer gerade gegründeten Initiative in Berlin zur Wiederrichtung einer Schule im zerstörten Kobane

Ergebnisse der Murmelrunde zum Thema „Kobane und wir“ am 4. März 2015 (rtf)

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