Pieschen für Alle

Zusammenleben im Stadtteil

Neue Struktur für ‚Pieschen für alle‘

Rund 30 Menschen kamen am 6. Januar zur ersten großen Runde von ‚Pieschen für alle‘ im Jahr 2016 im Saal des „Emmers“ in der Bürgerstraße zusammen. (Was fehlte, war wieder einmal ein ordentliches Einheizen, aber das Problem ist erkannt; das nächste Mal wird es wärmer sein!)

Im Mittelpunkt des Abends standen zwei Schnörkellinien auf dem Boden. Die eine in schrillem Grün, die andere in Knallrot. ASYL und INTEGRATION hießen die beiden Wegstrecken. Sie standen für die zwei großen Themen, an denen sich das Schicksal all jener Menschen entscheidet, die als Asylsuchende hier in Dresden ankommen.

Auf den Linien lagen Fetzen von leuchtendem Seidenpapier. Sie stellten Meilensteine oder Etappen dar. Was macht jeweils die Meilensteine aus? Unsere Antworten besprachen wir in kleinen Gruppen, dann in der großen Runde. Das mehrheitliche Ergebnis läßt sich so zusammenfassen:

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Schicksalsfrage ASYL, genauer: Asylverfahren
Was muß geschehen, bis klar ist, ob ich als Flüchtling das Recht bekomme, in Deutschland zu bleiben?
Meilensteine (stark vereinfacht):

  • Antrag
  • Interview
  • Bescheid

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Schicksalsfrage INTEGRATION, genauer: selbstbestimmt hier leben
Was muß ich als Flüchtling bewältigen, um auf eigenen Füßen zu stehen und auf Augenhöhe mit den Menschen hier zu leben?
Meilensteine (aufs Existentielle beschränkt):

  • Deutsch (möglichst gut!)
  • Ausbildung bzw. Erwerbsarbeit
  • eigene Wohnung

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Asyl=Antrag+Interview+Bescheid ++ Integration=Deutsch+Ausbildung/Einkommen+Wohnung.
In diesen wenigen Worten sind die entscheidenden Hürden beschrieben, die wir und die Flüchtlinge nehmen müssen, wenn wir die sogenannte „Flüchtlingskrise“ meistern wollen.

Soweit zur Problemanalyse. Wie aber können Lösungen aussehen? Welche der Schwierigkeiten können wir als Ehrenamtliche beeinflussen? Wo können wir sinnvoll ansetzen?

Unsere Antwort leiten wir aus den positiven Erfahrungen der Initiative „Übigau sagt Willkommen“ ab, die sich seit Oktober intensiv um die Flüchtlinge in der Turnhalle Thäterstraße kümmert. Der Ansatz läßt sich in zwei Worten zusammenfassen:

Hingehen!
Deutsch!

Will sagen: In Übigau haben sich die ehrenamtlichen Helfer so organisiert, daß an sechs Tagen in der Woche jeweils für anderthalb bis zwei Stunden jeweils zwei Menschen in der Unterkunft Hilfe beim Deutschlernen anbieten. Sie nutzen dafür ein Lehrheft (Thannhauser Modell), das speziell für Asylsuchende entwickelt worden ist. Oder sie nutzen einfach die Unterlagen, die die Flüchtlinge selbst schon benutzen.

Das gemeinsame Deutsch Üben kann reguläre Sprachkurse nicht ersetzen. Das soll es auch gar nicht. Es ist vielmehr ein guter Ansatz, um zu erkennen, wo die Flüchtlinge Unterstützung brauchen – besonders in Bezug auf die beiden Schicksalsfragen.

Über die Gespräche beim Deutschlernen erfahren die Helfer mehr über die aktuelle Situation der Flüchtlinge. Sie erleben, wie weit die Flüchtlinge schon dabei sind, sich selbst in der fremden Sprache zurechtzufinden. Daraus können sie dann weitere Angebote für die Flüchtlinge entwickeln. Dazu gehört auch, weitere Helfer und Profis einzubeziehen. Jeder Fall ist anders. Und in den meisten Fällen braucht es Einsatz von vielen Seiten, damit die Hürden von Asyl und Integration für alle glücklich genommen werden können.

Aber all dies braucht einen Anfang. Und der liegt in diesen zwei Worten: Hingehen! Deutsch!

Im großen Saal des Emmers standen wir schließlich alle über eine Straßenkarte gebeugt und betrachteten die Standorte der wichtigsten Unterkünfte für Flüchtlinge im Bereich des Ortsamtes Pieschen. Für vier von fünf Standorten haben sich schon an diesem Abend Unterstützergruppen gebildet.

Die nächsten Schritte sind:

  • Kontakt aufnehmen mit den Sozialarbeitern und mit den Betreibern; von ihnen auch mehr über die Bewohner in den Unterkünften erfahren
  • klären, in welchen Räumen sich Ehrenamtliche und Flüchtlinge treffen können (in den Unterkünften oder in deren Nähe)
  • in der Gruppe Termine und Abläufe absprechen
  • die Flüchtlinge darüber informieren

Wie es dann weitergeht, entscheidet sich individuell, nach den Bedürfnissen der Flüchtlinge und nach den Stärken der Helfenden.

Die Unterstützergruppen, die wir bei diesem Treffen gebildet haben, sind auf Wachstum angelegt. Je mehr Menschen mitmachen, desto intensiver kann es werden und zugleich leichter für alle Beteiligten; desto mehr läßt sich erreichen, desto mehr macht es Spaß.

Will sagen: Helfer gesucht! Wer in einer Unterstützergruppe mitmachen möchte, also beim Hingehen, beim Deutschüben und damit beim Kennenlernen der Flüchtlinge und ihrer Bedürfnisse, meldet sich bitte unter info@pieschen-fuer-alle.de.

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