Pieschen für Alle

Zusammenleben im Stadtteil

Rumoren in Dipps – Sächsischer Tacheles

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Ein Jahr „Pieschen für alle“: Meine Bilanz als Sprecherin fällt durchwachsen aus. Im Folgenden erlaube ich mir noch ein paar weiterreichende offene Worte. – Anja Osiander

Im vergangenen Jahr ist im Zuge einer spontanen Willkommenskultur vieles Wunderbare entstanden. Deutlich zeigen sich aber auch Blockaden und systemische Hindernisse:

  • Unsere Ressourcen als Ehrenamtliche sind begrenzt; das schränkt sozusagen von innen her ein, was wir leisten können.
  • Als Willkommensbündnis stoßen wir aber auch an Grenzen, die von außen gesetzt werden. Es gibt genügend Hilfsangebote für die Integration der Geflüchteten. Aber sie kommen bei den Bedürftigen nicht an. Das hat vor allem mit Hindernissen in den Behörden zu tun. Hier können nur die politisch Verantwortlichen etwas ändern. Das gilt für die Stadt Dresden und noch mehr für den Freistaat Sachsen.

Dresden
Die Behörden der Stadt Dresden sind willig, jedoch überfordert. Dabei geht es gar nicht so sehr um Geld oder Personal. Es geht vor allem um eine Kultur der Zusammenarbeit zwischen Behörden und Bürgern. Das Bewußtsein dafür, wie das gehen kann, muß erst noch wachsen – auf beiden Seiten.

Sachsen
Ich gestehe: Ich habe mir in den letzten Monaten oft gewünscht, Dresden läge in Baden-Württemberg. Dort wird die Integration umfassend und wirksam angepackt, wie das Portal der Landesregierung eindrucksvoll dokumentiert:
Flüchtlingshilfe Baden-Württemberg

In Sachsen dagegen zeichnet sich eine positive Gesamtstrategie des Freistaates im Umgang mit den Neu-Sachsen nicht einmal ab. Das hat gravierende Folgen. Ein Offener Brief des Willkommensbündnisses Dippoldiswalde an Ministerpräsident Tillich legt den Finger in die Wunde und beschreibt konkret das Versagen der Behörden. Das bittere Fazit:

Wie sollen wir motiviert sein, unser ehrenamtliches Engagement aufrechtzuerhalten, wenn wir von seiten der Politik und Behörden mit „systemischen Fehlern“ konfrontiert werden, die man als gegeben hinstellt, anstatt nach einer Lösung zu suchen?

Wie soll eine erfolgreiche Integration erfolgen, wenn den Migranten – wenn vielleicht auch ungewollt – signalisiert wird, daß man auf ihren Willen, zu lernen, sich zu bilden, zu arbeiten und sich einzubringen, keinen Wert legt?

Wenn wir in Sachsen so weitermachen, wird aller guter Wille der Bürger*innen nichts nutzen. Die Neuankömmlinge lernen kein Deutsch, finden keine Arbeit, werden ins Abseits gedrängt. So schafft die sächsische Staatsregierung den Nährboden für Parallelgesellschaften, Kriminalität und Extremismus – und führt durch politisches Versagen genau das Szenario herbei, das PEGIDA so gerne als sicheres Ergebnis unserer Flüchtlingspolitik beschwört.

Wir müssen das nicht hinnehmen. Wir haben unseren eigenen Kopf. Wir können Tacheles reden – auch auf Sächsisch. Dazu lädt das Netzwerk Dresden für Alle ein. Bei einem Treffen aller sächsischen Willkommensbündnisse soll es darum gehen, sich gegenseitig zu stärken, aber auch darum, gemeinsam Forderungen an die Politik zu formulieren.

**********Aktualisierung 16. April:
Tacheles-Konferenz bis auf Weiteres abgesagt
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Liebe Engagierte,

leider wird die TACHELES Konferenz aus verschiedenen Gründen nun doch nicht zum angekündigten Termin stattfinden können. Aufgrund unvorhergesehener persönlicher Ereignisse von zentralen Organisatoren der Veranstaltung, kann die Durchführung der Konferenz am 30.04. nicht mehr im angebotenen Umfang gewährleistet werden. Hinzu kommt, dass es nahezu zeitgleich in Sachsen mehrere äh…nliche Konferenzen in Leipzig und Chemnitz geben wird, so dass es den interessierten Organisationen teilweise schwer fiel, sich für eine der angebotenen Veranstaltungen zu entscheiden. Das Netzwerk „Dresden für Alle“ hat aber die Konferenz der sächsischen Willkommensinitiativen deshalb nicht aufgegeben und die bisher geleistete Arbeit dafür war auch nicht umsonst. Bereits im Sommer diesen Jahres – möglicherweise auch auf Basis des im Juni geplanten „Welcome2stay“ Gipfels in Leipzig – wird erneut zu der Konferenz eingeladen werden.

Wir bedanken uns bei allen, die sich bisher angemeldet haben und bei allen, die sich für die Mitarbeit auch in den zahlreichen Workshops bereit erklärt haben. Wir bedauern die Umstände sehr, wünschen aber allen Menschen, die sich in der Arbeit mit geflüchteten Menschen engagieren weiterhin Kraft und gutes Gelingen!

Dresden für Alle

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