Pieschen für Alle

Zusammenleben im Stadtteil

Tauziehen auf hoher See

| Keine Kommentare

In Deutschland ist es ruhig geworden, was die Bilder von Menschen auf der Flucht angeht. An der Realität des Fliehens hat sich allerdings seit dem vergangenen Jahr wenig geändert. Weiterhin suchen viele Menschen einen Ausweg über das Mittelmeer.

Neu ist: Die Flottille an Rettungsschiffen wächst. Nicht staatlicherseits, sondern durch zivilgesellschaftliche Initiativen. Auch von Dresden aus.

Aktuelle Schlaglichter:

  • Seit Juli kommen auf den griechischen Inseln nahe der türkischen Küste wöchentlich wieder an die hundert neue Flüchtlinge an.
  • In den letzten beiden Wochen sind im Mittelmeer zwischen Libyen und Italien jeweils rund fünftausend Menschen aus untauglichen Flüchtlingsbooten gerettet worden.
  • Die Lage in den Flüchtlingslagern in Griechenland bleibt prekär. Anfang August haben acht europäische Hilfsorganisationen deswegen einen Appell an die griechische Regierung gerichtet.
  • Die Hälfte aller neuen Flüchtlinge im Mittelmeerraum im Jahre 2016 sind Frauen und Kinder.
  • In diesem Jahr sind jetzt schon fast so viele Menschen bei dem Versuch der Überfahrt im Mittelmeer ertrunken wie im gesamten Jahr 2015.

Diese Angaben stammen vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), und zwar aus dem aktuellen „Wochenbericht Europa“ vom 10. August 2016. (auf Englisch als pdf)
Details der Flüchtlingsströme im Mittelmeerraum werden vom UNHCR tagesaktuell und sehr detailliert dokumentiert in interaktiven Karten, Statistiken und Berichten. Alle Daten sind öffentlich zugänglich unter:
http://data.unhcr.org/mediterranean/regional.php

unhcr

Die europäischen Regierungen tun annähernd nichts, um an diesen Flüchtlingsströmen etwas zu ändern. Umso mehr tun europäische Bürger. Sie sammeln Geld, statten Schiffe aus und retten, wen sie retten können.

Rettungsaktion von Sea Watch in der Ägäis, aus dem Newsletter August 2016.

Rettungsaktion von Sea Watch in der Ägäis, aus dem Newsletter August 2016.

Die Menschen, die das tun, wissen, daß sie damit am letzten Zipfel des Problems anpacken. Damit werden keine Fluchtursachen beseitigt, und es wird kein Frieden gestiftet. Wie es den Geretteten anschließend in Europa ergeht, bleibt ebenfalls offen. Und doch: Daß die Rettungsschiffe da sind und daß es immer mehr werden, sorgt auch dafür, daß das Schicksal der Flüchtlinge nicht aus dem öffentlichen Blickfeld in Europa verschwindet. So wird die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot auch zu einem Tauziehen zwischen europäischen Bürokratien und ihren Bürgern.

Derzeit sind vier Initiativen aus Deutschland im Mittelmeer aktiv. Sie arbeiten untereinander eng zusammen, ebenso mit dem Mittelmeer-Team von Ärzte ohne Grenzen und mit der italienischen Küstenwache :

  • Sea Watch
    entstanden in Brandenburg; erstes Schiff im Herbst 2015, inzwischen schon mit zwei Schiffen vor Libyen, dazu kleine Aufklärungsflugzeuge (gechartert); umfassende Öffentlichkeitsarbeit mit Blog und Videos
  • Life Boat
    aus Hamburg, in Zusammenarbeit mit der Dt. Ges. zur Rettung Schiffbrüchiger; Februar bis Juni 2016 vor Lesbos, seither vor Lampedusa; geleitet von erfahrenen Seefahrern; nüchterne und gerade drum dramatische Berichte
  • SOS Mediterranee
    aus Berlin, gegründet im Mai 2015; 77-Meter-Schiff vor Lampedusa, kann bis zu 400 Menschen aufnehmen, Kosten/Tag: 11.000 Euro; Rubrik mit Erzählungen der Geretteten
  • Sea Eye
    aus Regensburg, entstanden als Vater-Sohn-Projekt in gemeinsamer Entrüstung; 1 Schiff vor Libyen; Berichte voller Herzblut

Ein Schiff aus Dresden soll bald dazustoßen:

  • Mission Lifeline – seenotrettung.info
    angefangen als Dresden-Balkan-Konvoi im Herbst 2015, seither rasante Entwicklung zum Sozialunternehmen mit großem Kredit von der GLS-Bank für ein Schiff und rund 40.000 Euro monatlichen Kosten. Das Schiff ist gefunden, nun geht es um die Unterstützung für den Einsatz.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.