Pieschen für Alle

Zusammenleben im Stadtteil

Selbstverständnis

Das europäische Flüchtlingsrecht ist in den vergangenen Jahren weitreichend ausgebaut worden. Viele Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, können in den Ländern der Europäischen Union jetzt Zuflucht suchen. Seit dem Herbst 2015 geschieht das in Dimensionen von Hunderttausenden, vor allem als Folge des Krieges in Syrien.

Ob diese Fluchtbewegung die beste Lösung ist, darüber läßt sich trefflich streiten. Keine Lösung ist es jedenfalls, vor dem Leiden der Flüchtenden die Augen zu verschließen und einfach zu sagen: „Wir wollen die hier nicht. Laßt sie einfach nicht rein.“

Es ist ein grundlegendes Gebot menschlichen Zusammenlebens, denen in Not zu helfen. Genauso grundlegend sind die Regeln für die Empfänger der Hilfe: Sie dürfen die Hilfe nicht ausnutzen. Und sie müssen sich, wenn sie hier bleiben wollen, an die Regeln halten, die hier gelten.

In Deutschland ist seit der Diskussion um das Zuwanderungsgesetz, das 2005 schließlich inkrafttrat, ein breites Gefüge von Angeboten, Regeln, Abläufen und Akteuren entstanden, die dabei helfen, daß Neuankömmlinge aus anderen Ländern wirklich in der Gesellschaft hier ankommen und nicht in eigenen Ghettos und Parallelgesellschaften steckenbleiben. Außerdem unterscheidet sich die Perspektive der Flüchtlinge, die heute zu uns kommen, deutlich von den Erwartungen der Gastarbeiter, die in den 1960er und 1970er Jahren vor allem in der Türkei für die Arbeit im damaligen Westdeutschland angeworben wurden. Die Gastarbeiter wollten vor allem Geld verdienen. Die Flüchtlinge aus Syrien kommen aus einem zerstörten Land. Sie wissen, daß ihre einzige Chance darin besteht, sich erst einmal hier ein Leben aufzubauen.

Deshalb sind die Voraussetzungen dafür, daß die Integration auch vieler Fremder gelingt, heutzutage deutlich besser als vor vierzig Jahren in Westdeutschland.

Trotzdem ist es wichtig, sich klarzumachen: Integration gelingt nicht automatisch. Es bedarf vieler Anstrengungen auf allen Seiten. Und: Der Prozeß des Zusammenfindens und Sich- Auseinander-Setzens verändert alle Seiten – die Fremden, die jetzt hier leben und dazugehören wollen, aber auch uns. Das kann eine gute Erfahrung für uns alle werden, und es kann unsere Stadt und unser Land reicher machen.

Aus diesem Verständnis heraus engagiert sich die Initiative „Pieschen für alle“ unter dem Dach des Stadtteilvereins Pro Pieschen für die Integration der Flüchtlinge im Bereich unseres Ortsamtes. Wir helfen den neu Ankommenden bei akuten Problemen, beim Deutschlernen, bei der Suche nach Arbeit oder Ausbildung und nach Wohnraum. Wir sind aber auch für die Hiesigen da, als Ansprechpartner für Sorgen und Befürchtungen und bei Konflikten mit den (noch) Fremden. Wir organisieren Begegnungen und setzen uns für eine Verständigung zwischen allen Beteiligten ein. Anstatt einfach nur zu schimpfen, böse Unterstellungen in die Welt zu setzen und sich von der eigenen Angst treiben zu lassen, suchen wir nach Lösungen.

Februar 2016